Donnerstag, 12. November 2015

Unseren täglichen Aberglauben gib uns heute

Manchmal, wenn auch eher selten, habe ich ja doch das Bedürfnis, was auf Koreanisch zu lesen. Die einheimische Literatur spricht mich aus unerfindlichen Gründen auch eher selten genug an, daß ich sie mir im Original zu Gemüte führen wollen würde (und auch in Übersetzungen muß es nicht sein, sorry), damit bleiben noch Zeitungen (aufgrund der fehlenden journalistischen Qualität leider auch wenig lesenswert) oder Texte anderer Art, wie etwa Kochrezepte oder...Blogs und Onlineforen. Die beiden letzteren zeichnen sich erstens durch ihre leicht verständliche Sprache und daneben besonders durch ihren unfreiwillig hohen Unterhaltungswert aus, was einen schönen Nebeneffekt der Lektüre darstellt. 

Kostprobe gefällig? Auf dem wahrscheinlich beliebtesten Hausfrauen- und Mütterforum hatte eine Leserin das folgende Problem: der Vater ihrer besten Freundin war gestorben, sie aber leider schwanger, und traditionellerweise geht frau in Korea dann nicht zur "Trauerfeier"- auch das, wie eigentlich alles in Korea, eine aus China übernommene Tradition, die wahrscheinlich in Zeiten noch geringerer Hygiene auch tatsächlich mal Sinn gemacht hat, wenn z.B. der Leichnam noch infektiös war. Guter Rat war zum Glück nicht teuer - eine andere Leserin fragte ihre Mama um Rat, und die gab dann den folgenden Tip: Einfach in einen kleinen Beutel Salz und Chilipulver füllen, an den Trauerort gehen und den Inhalt des Beutels dann ausleeren, bevor sie wieder zu Hause ankommt. Dann ist das Ganze überhaupt kein Problem, und Leserin 1 kann ihrer besten Freundin beistehen, ohne jegliche Gefahr. Wie gut, daß ich das jetzt auch weiß.

Und ja, wir schreiben das Jahr des Herrn 2015, nicht 1415 oder so.

Und ja, man muß nicht alles an anderen Kulturen "tolerant" und offen annehmen. Kinderheiraten und weibliche Genitalverstümmelung, um nur zwei Beispiele zu nennen, sind auch Bestandteile anderer Kulturen und trotzdem Scheiße, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach.

1 Kommentar:

  1. Salz ist ja tatsächlich ein guter Tipp, aber das Chilipulver kann erwiesenermaßen böse Geister wecken, wenn es zu stark ist. An ihrer stelle würde ich mit so Hausmütterchenrezepten nicht so leichtsinnig umgehen

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