Mittwoch, 15. Juli 2015

Morgens um zehn in Korea

Es ist zehn nach zehn, ich sitze bei "The Coffee Bean and Tea Leaf", weil das Café direkt neben dem Tierarzt ist, wo Miru gerade sein Fell geschoren bekommt (sie machen auch noch Hundesalon außer dem Tierarzt da) und es ein Frühstücks-Special für 5000 Won gibt. Beim letzten Scheren war ich auch hier und hab die anderthalb Stunden mit Arbeiten verbracht, es war schön leer und schön ruhig, die einzigen anderen Kunden waren ein paar (vermutlich) Studierende, die sich hinter ihren Laptops verschanzten und wahrscheinlich sonst ihr Leben damit verbringen, sich auf einen Test, auf eine Aufnahmeprüfung, ein Bewerbungsgespräch oder sonstwas vorzubereiten, statt an der Uni rumzuhängen oder einfach zu arbeiten. 

Heute habe ich leider die lärmtechnische Arschkarte gezogen, denn statt der Fotos von ihrem Kaffee schießenden und diese dann auf Facebook hochladenden einsamen Frauen hängt diesmal ein Rudel Ajummas rum und schreit sich gegenseitig an unterhält sich miteinander. Wenn man tagsüber durch Seoul geht oder in Cafés rumhängt, sieht man vor den Bürogebäuden Menschenmengen rauchender und fast ausschließlich männlicher Angestellter. In Bussen, Metros, Supermärkten, Läden und überall sonst sieht man ausschließlich offensichtlich nicht erwerbstätige Frauen jenseits der 35. Manchmal stelle ich mir vor, womit diese Frauen wohl so ihr Leben verplempern. Die meisten haben keine Kinder dabei, da diese ja von morgens bis abends in der Schule oder im Hagwon rumhängen, das scheidet also als Zeitkiller schon mal aus. Die meisten tragen häßliche sackartige glitzernde Klamotten, legen offensichtlich keinerlei Wert auf ihr Äußeres und waren offensichtlich schon länger nicht mehr beim Fellscheren, ähm ich meine beim Friseur. Das kann also auch nicht so richtig viel Zeit in Anspruch nehmen. Die meisten sind alleine unterwegs, das heißt, die anderen Ajummafreundinnen treffen fällt als alleiniger Zeitvertreib offensichtlich auch aus. Die meisten haben diesen verkniffenen unzufriedenen Gesichtsausdruck, der ein echtes Alleinstellungsmerkmal der koreanischen Frau jeden Alters als solcher ist, solange sie nicht mit Oppa auf einem "Date" ist.

Manchmal denke ich auch darüber nach, warum koreanische Frauen offensichtlich noch viel unfähiger als die Männer sind, sich an grundlegende einfache Regeln zu halten, die das Leben für jeden einfacher machen würden, wie zum Beispiel rechts zu gehen. Wie jeder Sportler weiß, bilden sich nicht benutzte Muskeln erschreckend schnell zurück. Wahrscheinlich gilt das auch für das Gehirn, das diese Frauen offensichtlich nur alle Jubeljahre mal verwenden - es würde so einiges erklären.

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