Freitag, 12. Dezember 2014

Gut, daß es vorüber ist, dieses Semester

...oder warum mein Job manchmal vom Traumjob doch recht weit entfernt ist!

6:40 morgens. Ich stehe vor den atemberaubend häßlichen Jangmi-Apartments. Jangmi heißt Rose, die Apartments sind allerdings schon ziemlich verwelkt. Auf der Straße liegt eine überfahrene Katze. In den zehn Minuten, während ich auf unseren Pendelbus nach Wonju warte, wird die tote Katze zweimal von weiteren Autos überfahren. 

8:20 Ankunft in Wonju. Das Büro ist eiskalt, denn die Heizkörper sind zentral gesteuert und wir bekommen im Winter jeweils eine Stunde morgens, mittags und abends die Heizung angestellt. Das führt natürlich dazu, daß jeder entweder die Klimaanlage zum Heizen verwendet oder zusätzliche Elektroöfen in seinem Büro stehen hat. Und das führt wiederum zu häufigen Stromausfällen im Winter. Die Koreaner mögen vielleicht Ondol erfunden haben, aber seither ist es mit den Innovationen in der Wärmetechnik irgendwie nicht so recht weitergegangen. Und Atomstrom ist ja billig, weshalb sich daran auch in absehbarer Zukunft nichts verändern wird.

8:40 Ich drehe meinen Kalender auf Dezember. Minuten später fängt es an zu schneien. Sollte ich vielleicht zur Erläuterung von Kausalität und Korrelation nächstes Semester verwenden. Vielleicht färben auch die schamanischen Fähigkeiten der neuen Nachbarin auf mich ab.

9:40 Eigentlich hat sich eine Studierende für die außerplanmäßige Sprechstunde vor der Klausur angesagt. Leider taucht sie nicht auf. Eigentlich müßte ich auch noch in der Forschungsabteilung und noch irgendwo anders vorbeischauen, aber wenn ich jetzt rausgehe, kommt sie garantiert vorbei und beschwert sich dann, daß ich nicht da war.

10:40 Die zweite Studierende des Tages kreuzt pünktlich auf. Gegen 11.30 kreuzt auch die ursprünglich für 9:40 angemeldete Studierende auf und meinte, daß der Termin mit dem anderen Prof "länger als erwartet" gedauert hätte. Nicht meine Schuld.

12:40 Studierende 2 ist endlich mit ihren Fragen durch (Einführung in die VWL, super Vorlesung, Ironie aus). Studierende 1 fragt, ob ich jetzt Zeit habe. Nein, ich habe um eins wieder Vorlesung, heute mit Präsentationen, aka die chinesische Wasserfolter für Professoren. 

12:45 Zum Mittagessen gibt es das Weihnachtsgeschenk meines Arbeitgebers: Schoko-Reis-Cookies von Starf...s. Dazu gab es noch zwei häßliche Weihnachtstassen (Seoul Edition) sowie den nur bedingt leckeren Christmas Blend und Instantkaffee, alles aus dem Hause S. Wer bitte denkt sich so was aus - dann lieber wieder gesalzenen Seetang, der schmeckt wenigstens und man kanns immer brauchen daheim!

13:00 Die Präsentationen beginnen. Lausiges Zeitmanagement von Gruppe Zwei, inklusive irrelevanter Videoaufnahmen voll koreanischem Alltagsrassismus plus way too much information ("Ich bin in Nairobi mit lauter Afrikanern auf die High School gegangen, deshalb hatte ich noch nie eine Freundin".) Ach so.

15:40 Es gibt immer noch erschreckend viele Studierende, die weder Hypothesentests noch Signifikanz, noch Endogenität, noch sonst irgendwas aus dieser Vorlesung verstanden haben. Leider sind sie aber auch nie in meine Sprechstunden gekommen, um mal nachzufragen, weshalb das Ganze nicht nur meine Schuld sein kann. Ich esse den Schokoladenriegel, der auch im Weihnachtspaket war, zum gefühlt 15. Americano des Tages aus der Kaffeemaschine in der faculty lounge. Gesunde Ernährung für alle.

17:20 Die letzte Präsentation endet ca. 50 Minuten später als geplant dank lausigen Zeitmanagements vieler anderer Gruppen. Der Bus nach Seoul ist vor zehn Minuten abgefahren. Heul.

17:30 Eine der gefühlt drei guten Studierenden in unserem Programm kommt vorbei, sie ist am Samstag zum Interview für das Masterprogramm eingeladen, worauf sie sich beworben hat, und hätte gerne ein paar Tips. Endlich mal was, worauf ich doch gerne meine Zeit verwende. 

17:55 Ich sitze in Bus Nummer 30 zum Wonjuer Busterminal. Leider auch eines meiner Viecher aus der eben zu Ende gegangenen Vorlesung, was heißt, daß ich jetzt auch noch Konversation machen muß.

18:29 Der Bus um 18:45 ist natürlich kein Luxusbus, aber ich muß jetzt erstmal was essen. Selten hat ein "Toseuteu" bei meiner Stammajumma im Wonjuer Busterminal so köstlich geschmeckt.

20:15 Ankunft in Seoul, eisige Kälte, klappernde Zähne, der Bus kommt nicht. Ich rufe meinen Mann an und bitte ihn, Chicken zum Abendessen zu bestellen.

20:30 Der Bus kommt, der Verkehr stockt, ich schlafe fast im Sitzen ein.

21:35 Ankunft zu Hause. "Wann hast du denn das Chicken bestellt?" "Ach, so vor fünf Minuten, ich wußte ja nicht so genau, wann du ankommst, und ich dachte, bevor es kalt wird..."

PS: Ach ja, am Montag ist noch das letzte Final Exam. Eigentlich habe ich es auf das Level des DAS ("Dümmster Anzunehmender Studierender") zugeschneidert, aber wenn es etwas gibt, was unsere Viecher wirklich super können, dann ist es, die Erwartungen immer noch zu untertreffen.

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