Freitag, 10. Oktober 2014

Meine erste (und hoffentlich letzte) "Geschäftsreise"

Ich habe ja im März die Fakultäten gewechselt und einer der Gründe, warum ich das für eine gute Idee hielt, war die Tatsache, daß das neue Department zwei Vollzeit-Sekretärinnen beschäftigt, was mir in der Zukunft Begegnungen mit Wendy the Bitch im Dekanatssekretariat ersparen sollte. Fast eineinhalb Semester später bin ich mir nicht mehr so sicher, ob das tatsächlich ein Vorteil ist, denn die beiden sind zwar Vollzeit beschäftigt, aber das mit der professionellen Einstellung sollte man doch noch etwas üben, wie man in diesem Post leicht erkennen kann. 

Am 19.10. werde ich die große Ehre haben (Achtung Ironie), unser herausragendes Studienprogramm (noch mehr Ironie) an internationalen (sprich englischsprachigen, da in Korea international = englisch) Schulen in the city formerly known as Saigon vorstellen zu dürfen. Es gäbe zwar auch 'ne deutsche und eine französische Schule und bestimmt noch mehr, aber ich habe dieses wertvolle Wissen mal für mich behalten, da die Englischfixierung hierzulande ja nicht auf derartig abstruse Gedanken kommt und ich keine Lust hatte, mir zusätzliche Arbeit zu schaffen, die mir sowieso beförderungstechnisch nichts bringt (people respond to incentives und zwei der sieben Artikel für den associate professor sind schon angenommen). Und ja, nicht fragen, warum wir nach Vietnam fahren, um Werbung vor amerikanischen Expat-Kids zu machen, die vermutlich mit einer nicht mal 1-prozentigen Wahrscheinlichkeit nach Korea an die Uni wollen - denn ich weiß auch nicht, wer sich diesen Schwachsinn ausgedacht hat. Wie dem auch sei, ich werde also für ganze vier Tage nach Vietnam fliegen und hatte mir gedacht, daß bei einer Geschäftsreise alles von unserem Sekretariat organisiert wird und ich dann am 19. nur noch in den Flieger steigen muß. Weit gefehlt, natürlich, wir sind hier schließlich im Heimatland der professionellen Organisation! 

Da bis vor ein paar Tagen nur zwei der internationalen Schulen überhaupt auf die in nicht besonders gutem Englische verfaßte Emailanfrage reagiert hatten, war ich davon ausgegangen, daß der ganze Trip leider ins Wasser fällt und ich ein paar erholsame Tage während der Midterms in Seoul verbringen kann. Aus unerfindlichen Gründen gehen wir jetzt aber diese beiden Schulen besuchen - unsere Studiengebühren finanzieren's ja, kann ich dazu nur sagen. Ich hab mich dann mal schlaugemacht und herausgefunden, daß ich ein Visum brauche, um nach Vietnam einzureisen, was ich dann auch unserem kompetenten Sekretariat mitgeteilt habe, woraufhin dann erstmal ein paar Tage lang gar nichts passiert ist. Koreaner können scheinbar visafrei einreisen, und ja, warum sollte das bei anderen Ländern auch anders sein. Vorgestern nachmittag kam dann eine Email, daß sie für das Visum eine Kopie von Reisepaß und Ausländerkarte sowie ein Foto brauchen. Habe ich dann brav gescannt und ihr geschickt. Heute vormittag um elf kam dann eine Email, daß die Reiseagentur Paß und Ausländerkarte im Original sowie Foto brauchen, und ich soll die Dokumente doch bitte möglichst schnell schicken, am besten jetzt gleich. Da ich gerade fleißig am Arbeiten war, habe ich diese Email erst gegen zwei Uhr nachmittags gesehen, und ca. 30 Sekunden später kam eine entsprechende SMS aus dem Sekretariat. Man könnte ja auch mal anrufen, wenn's dringend ist! Zum Glück gibt's in der U-Bahn-Station einen Paßbildautomaten und die Post ist direkt am Ausgang derselbigen, dachte ich mir da nur. 

Und, ach ja: Um unser dreiköpfiges Team umherzuchauffieren (zu den zwei Terminen an drei Tagen, Ihr erinnert Euch) hatte sie einen achtsitzigen Toyota oder einen sechzehnsitzigen Sprinter samt Chauffeur vorgeschlagen, da die beiden Fahrzeugtypen gleich viel kosten. Ich hab dazu nichts gesagt, der Dritte im Bunde hat zum Glück vorgeschlagen, daß wir doch auch einfach ein Taxi nehmen könnten. Man fragt sich manchmal schon, was bei soviel Mangel an gesundem Menschenverstand jetzt einfach nur Dummheit und was das einheimische Bildungssystem ist - aber bei PISA sind wir ja top, gell!

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