Mittwoch, 7. Mai 2014

Ein Video sagt mehr als tausend Worte

Irgendwann mal vor nicht allzulanger Zeit tauchte das obige Werbungskonzept der schwätzenden und sich vor niemandem und jedem verbeugenden Puppe vor koreanischen Geschäften auf. Es zeigt so viele Probleme auf einmal auf so schöne Art und Weise, daß ich es einfach posten mußte.
  • Problem 1: Keiner hört zu, aber das ist egal - akustische Umweltverschmutzung durch Kpop und-oder quietschige Frauenstimmen ist das Grundrecht jedes koreanischen Unternehmens!
  • Problem 2: Für Frauen gibt es nur einen akzeptablen Kleidungsstil - Nutte bis zum Bauchnabel und Klosterschülerin darüber. 
  • Problem 3: Für Frauen gibt es auch nur eine akzeptable Stimmlage, nämlich die einer geistig behinderten Vierjährigen. Problem 2 und 3 zusammengenommen zeigen das tieferliegende Grundproblem der hierzulande recht wenig vorhandenen Akzeptanz von Diversität jeglicher Art, egal ob für sexuelle Orientierung, Kleidungsstil oder politische Einstellung (Achtung Zeckenalarm - hierzulande ist alles "rot", was nicht Saenuridang ist!!!).
  • Problem 4: Die Puppe verbeugt sich selbstverständlich vor den geschätzten potentiellen Kunden, die vorüberflanieren (falls man denn in Wonju von Flanieren sprechen kann, hüstel). Die Tatsache, daß der geschätzte potentielle Kunde vielleicht lieber seine Ruhe hätte oder anständigen Service und günstigere Preise einer ins Leere schwätzenden Puppe vorziehen würde, wird vom einheimischen Großunternehmen selbstverständlich großzügig ignoriert. Hier war es einer der drei einheimischen Telekommunikationsanbieter. Wettbewerb braucht schließlich kein Mensch, solange Samsung für ein Viertel des BIPs verantwortlich ist!   
  • Dies zeigt das letzte Grundproblem ganz gut auf: Korea hat einfach eine unglaubliche Diskrepanz zwischen Anspruch und Realität. Wenn man das erste Mal hier ist (bzw. während der ersten paar Jahre), denkt man, daß das mit der Entwicklung vom Kolonisationsopfer der Bösen Japaner zum Opfer in general (Dokdo, anyone?) plus konstantem Wirtschaftswachstum dem Land völlig zu Recht zu einem Platz in der OECD verholfen hat. Sobald der Honeymoon vorüber ist, realisiert man dann, daß die institutionelle Entwicklung Koreas inklusive solch überbewerteter Dinge wie funktionsfähiger Demokratie, Medienlandschaft und Zivilgesellschaft sich eher auf dem Level von Tansania befindet und daß das die meisten (denkenden) Ausländer hierzulande in die innere Emigration bzw. die offene Meckerbloggerei treibt. Ich hoffe mal, daß das mit dem Meckern bei mir irgendwann wieder nachläßt.

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