Mittwoch, 27. November 2013

Bitte keine Werbung einwerfen

So ungefähr sieht unsere Wohnungstüre jeden Abend aus, wenn die Werbungsbrigaden durchgezogen sind. Spannend ist die Zusammensetzung der Werbenden: am häufigsten sind es die großen Supermärkte (wie in Deutschland wahrscheinlich auch), zur Zeit mit allem, was man so zum jährlichen Kimchigroßeinlegen im Herbst braucht, dicht gefolgt von Hagwons aller Arten (war in Deutschland früher zumindest eher nicht so der allergrößte Wirtschaftssektor). Mein Liebling wirbt mit den Worten einer beschämt-besorgten Mutter: "Herr Hagwonchef, es ist mir so peinlich, ich glaube nicht, daß ich es laut aussprechen lann, aber unser Kind hat nur 40% in seiner letzen Matheprüfung erreicht". Die Verfasserin dieser Zeilen hatte nun meist eher unter 40% in ihren eigenen Matheprüfungen, was zwar kein Anlaß zum Stolz ist, aber doch immerhin zeigt, daß man zumindest in Deutschland auch ohne gute Noten in diesem schönen Schulfach noch was werden kann im Leben...
 
Spannenderweise landet eine andere Werbung, nämlich die für Kredite zum Wohnungskauf, meist direkt im Briefkasten im ersten Stock, so daß man sie gleich wieder in den Rücksendebriefkasten werfen kann, während das Zeug an der Haustüre leider erstmal in die Altpapiertüte muß. Ach ja, und wie die Zettelverteiler ins Haus kommen, weiß ich auch nicht. Unser altes Apartment hatte unten offene Eingangstüren, so daß freies Kommen und Gehen herrschte, aber den Vorteil, daß die Hausmeister bis zum Abend die Werbezettel dann schon wieder alle entfernt hatten. Eine sehr koreatypisches Arbeitsbeschaffungsmaßnahme übrigens, die wahrscheinlich auch zu den landestypischen niedrigen Arbeitslosenzahlen in Kombination mit noch niedrigerer Produktivität beiträgt! Theoretisch sollte im neuen Apartment wahrscheinlich keine Werbung an der Türe hängen, denn es hat unten an der Eingangstüre einen Türcode, den aber wahrscheinlich sämtliche Werbeverteiler Wonjus wissen, oder vielleicht kann man ihn auch bei den Hausmeisterajeossis bekommen, wer weiß das schon so genau. Dieselbigen räumen im neuen Apartment die Werbung allerdings leider nicht auf, was dann zu den oben abgebildeten Papiermassen führt.
Dank der Werbung weiß ich jetzt aber auf jeden Fall, daß ich auch in Korea endlich (räusper) Oettinger bekommen könnte, wenn ich das wollte. Globalisierung ist so was Schönes. Schade nur, daß es immer noch keine Dose Hite für 59 Cent bei Edeka zuhause gibt.

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