Mittwoch, 13. November 2013

Beat the system from within

Sorry (argh, schon wieder) für die englischsprachige Überschrift, aber mir fiel leider auf Deutsch nichts Gutes ein. Der Titel läßt es nicht vermuten, aber in diesem Post wird es um die zweite Teilnahme meines Lebens an einem standardisierten Sprachtest gehen. Die erste war im Jahre des Herrn 2007 in Zürich, weil ich nämlich für meine Stipendienbewerbung beim DAAD einen TOEFL-Test gebraucht hatte, den ich dann ungeübt mit ca. 116 Punkten oder so abgelegt hatte. Ich hatte schon vor der Testteilnahme das Gefühl, daß ich mit der englischen Sprache eher nicht so große Probleme hatte, obwohl ich in meinem Leben nur ganze 5 Jahre Englischunterricht genossen habe (Latein als erste Fremdsprache und nach der Elften so schnell wie möglich endlich wieder abgewählt - doofe Sprache, echt wahr), und das mit mittelgroßem Enthusiasmus, aber das kann man dem DAAD ja schlecht so mitteilen, ne, weswegen ich dann einen meiner Meinung nach ziemlich überhöhten Betrag in diesen Test investieren mußte. Zur Zeit denke ich gerade darüber nach, ob ich nicht mal einen Cambridge oder alternativ mal wieder etwas Französisch machen sollte, um mal so ein bißchen geistigen Abstand von immer nur Koreanisch zu bekommen und mein seit Unizeiten stark dezimiertes Humankapital in diesem Bereich wieder aufzubauen, aber, wer hätte das gedacht, in Wonju gibt es selbstverständlich keine anständigen Englischkurse und anständige Französischkurse nicht mal in Seoul. Soweit dazu!

Um nun zum eigentlichen Thema dieses Posts und meinem zweiten Sprachtest zu kommen: Mitte Oktober habe ich am 32. TOPIK Intermediate Level teilgenommen, yeah. Mit mir am Start waren gefühlt ziemlich viele der insgesamt 1.3 Milliarden Chinesen, die den Test brauchen, um an einer koreanischen Uni ihren Bachelor machen zu können und irgendwie ungleich nervöser als ich wirkten. Eigentlich war das mit meiner Testteilnahme so gedacht, daß ich zur Vorbereitung mal Mittelstufengrammatik und -vokabular wiederhole, was (wer hätte das gedacht) leider nicht so wirklich stattgefunden hat, räusper, so daß ich auch diesmal wieder eher im naturbelassenen unvorbereiteten Zustand zum Test erschien. 
Der Test besteht nun aus Grammatik und Wortschatz, Schreiben, Lesen und Hörverständnis, wobei der lustigste Teil eindeutig das Schreiben ist, denn dieser Teil beinhaltet auch einen Aufsatz. Jaja, ihr wißt schon, diese große literarische Form, die man in der Grundschule und vielleicht noch bis zur sechsten Klasse gefühlt geschrieben hat, und die dann ziemlich schnell durch Erörterungen und Interpretationen und so ersetzt wurde. An epischer Größe schwer zu übertreffen sind die Themen, die das TOPIK-Komitee sich dafür so ausdenkt, ich gebe hier eine kurze Auswahl der greatest hits aus den letzten paar Jahren:
  • Das Haus, in dem ich leben möchte (intermediate)
  • Ein Hobby, das ich lernen möchte (intermediate)
  • Notlügen (advanced)
Ich spare mir mal weitere Beispiele, um Euch mit unserem Thema zu erfreuen, das da hieß "Etwas, das ich gerne getan hätte, aber nicht tun konnte". Gefundenes Fressen, um einen vor 효심 (孝心 für die literates unter meinen Lesern, ansonsten schlecht zu übersetzen, man könnte vielleicht "ein von Respekt für die Eltern erfülltes Herz" schreiben) triefenden Text darüber zu verfassen, wie ich nach meinem Uniabschluß eigentlich auf eine große Reise gehen wollte, das aber nicht tun konnte, weil mein Vater schwer krank wurde. Das Simcheongga ist ein Scheiß dagegen. Jetzt bin ich nur noch gespannt darauf, wie viele Bonuspunkte für tiefe Verinnerlichung koreanischer Werte und Kultur dieses Meisterwerk aus meiner Feder wohl so erhalten hat. Irgendwann mal Anfang Dezember werden die Ergebnisse veröffentlicht, dann wissen wir mehr :)

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