Mittwoch, 19. Juni 2013

Kaputter Fuß die Zweite

Ich bin ja bekanntermaßen die Großmeisterin des guten Timings und habe mir daher letzten Freitag pünktlich zum Semesterende in Seoul den Zeh gebrochen. Diesmal vollkommen nüchtern war das allerdings schon meine zweite größere Fußverletzung in Korea. Da ich ja eine gute Angestellte bin, bin ich samstags noch als Richterin zum alljährlichen debate contest gegangen (das alljährliche Thema war auch diesmal wieder Nordkoreapolitik, an Kreativität nur noch vom zweiten Thema Hallyu und Blabla übertroffen, das ich mir Gott sei Dank nicht mehr anhören mußte), um dann danach in die Notaufnahme unseres örtlichen Unikrankenhauses zu gehen, das ich erst am Montagmorgen (!!!) nach einer Odyssee des Schreckens wieder verlassen konnte.

Kein Scheiß: In so einem unterirdisch miesen Krankenhaus war ich echt noch nie. Selbst mein dreitägiger Krankenhausaufenthalt an der Costa Brava nach komplizierter Armfraktur (Reitunfall) war minimal besser. 

Aber der Reihe nach: Wir kamen also in der Notaufnahme an, wo ich schon mit einer längeren Wartezeit rechnete, weil ich ja nun wirklich kein dringender Notfall war (Notaufnahme war allerdings nötig, weil es Samstag abends ja keine anderen Optionen gibt). In dieser Notaufnahme herrschte nun ein Chaos, das in Krankenhausserien ungefähr dann herrscht, wenn ein Großunfall (Busunglück mit 50 Schwerverletzten oder so) stattgefunden hat und die erste Triage über Tod oder Leben entscheiden kann. Dermaßen dringende Fälle konnte ich nun nicht erkennen, trotzdem gab es wild hin-und herrennende Schwestern und Ärzte, mit dem Personal streitende Angehörige, ein Security-Typ, den es laut Schatzi gab, weil die streitenden Angehörigen offenbar in der Vergangenheit auch schon Krankenhauspersonal tätlich angegriffen haben - mit einem Wort, ein Chaos erster Güte. 

Nach ca. 2 Stunden bekam ich dann den ersten Arzt, nennen wir ihn mal Dr. Inkompetent, zu Gesicht, der mich dann (wie zu erwarten war) erstmal zum Röntgen schickte, wo nicht nur ein oder zwei, auch nicht drei, nein vier (!!!!) Röntgenbilder plus ein CT (!!!!!!!!) nötig waren, um die Diagnose Zehenbruch zu erhalten. Manchmal lob ich mir doch das duale System, das so tolle Berufe wie die medizinisch-technische Radiologieassistentin hervorbringt, die braucht nämlich im allgemeinen maximal zwei Bilder für die gleiche Diagnose und erspart meinem Körper doch eine erhebliche Menge an Strahlenbelastung.

Nach den Röntgenbildern kam dann Herr Dr. Inkompetent wieder und meinte, daß ich einen Gips und mit hoher Wahrscheinlichkeit auch eine OP benötigen würde. Er gab mir dann eine zu kurze Gipsschiene, bei der meine Zehen halb rausstehen und die ich wahrscheinlich morgen erstmal austauschen muß, und schickte mich, großes Tennis, gleich noch mal zum Röntgen, wo weitere vier Röntgenbilder angefertigt wurden. Danach meinte er dann, daß ich entweder heute gleich bleiben und dann am Montag mit der OP drankommen oder am Montag wiederkommen und dann am Mittwoch operiert werden könne. Zur OP-Vorbereitung gab es dann noch ein EKG (okay, macht man in Deutschland auch), die Patientenaufklärung bekam allerdings mein Mann und nicht ich (fand ich mehr als nur bizarr). Ich hatte mittlerweile fieseste Spannungskopfschmerzen nach all dem Streß und wollte nur noch zwei Aspirin haben, die ich allerdings nicht bekam, stattdessen eine Schmerzspritze in den sowieso schon gelegten iv-Zugang, zu der mir die spritzensetzende Schwester fröhlich mitteilte, daß man davon auch gerne mal als Nebenwirkung kotzen könne. Danke für die Info! Ach ja, ganz vergessen, als allererstes gab es natürlich auch die unvermeidliche Infusion, unvermeidlicher Teil der Heiligen Dreieinigkeit der koreanischen Medizin, welche da offensichtlich aus Röntgenbild, Gipsverband und Salzwasserinfusion besteht. Und das zweitwichtigste war offensichtlich, mich so schnell als möglich in einen Einheitspatientenschlafanzug zu stecken. 

Nach nur sieben Stunden in der Notaufnahme und mit nur unwesentlich verbesserten Kopfschmerzen kam ich dann auch schon in mein charmantes Achtpersonenzimmer ohne eigene Toilette und Bad, um da der Dinge zu harren. Sonntags gab es noch ein Thorax-Röntgen sowie zwei Rückenröntgen zur OP-Vorbereitung (Gott alleine weiß warum, hatte ich in Deutschland noch nie vor einer OP, aber egal), Sonntag abend bekam ich eine andere Infusion angehängt (diesmal neongelb statt Salzwasser) und ab 12 war dann fasten angesagt (nicht mal Wasser war erlaubt). 

Montag morgens gab es dann weitere Spritzen und mal wieder eine neue Infusion (schließlich integraler Bestandteil jeglicher Krankenhausbehandlung) zur OP-Vorbereitung, bis dann um ca. halb acht Herr Dr. Inkompetent mal wieder aufschlug, um mir mitzuteilen, daß meine OP erst am Nachmittag dran sei, weil zuerst alte Patienten und Kinder operiert würden. Ca. zwei Stunden später kam er dann wieder, um mir mitzuteilen, daß ich gar nicht operiert würde, auch keinen Gips bekäme, sondern jetzt entlassen würde und in zwei Wochen wieder zur Nachkontrolle vorbeikommen solle. 

Mal ganz ehrlich: So verarscht kam ich mir in meinem Leben noch selten vor. Eigentlich wollte ich mir auch diesen Sommer irgendwann mal mein Zahnimplantat machen lassen, aber in dieses Schrottkrankenhaus werde ich nur noch in unvermeidbaren lebensbedrohlichen Notfällen einen Fuß setzen, und den zornigen Brief an die Krankenhausleitung gibts auch noch. Ich bin immer noch stinkesauer.

Kommentare:

  1. Das tönt ja nacheme schreckliche Krankehuus.... da muess mr dankbar sii wenn mer lebendig wiedr usechunt T_T
    Demfall... gueti Besserig!

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  2. Danke:) Hoffenlich bin ich ja bald wieder in Seoul, da gibt's auch normale Krankenhäuser :)

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