Mittwoch, 22. Mai 2013

Heuschnupfen, Bewerbungen, Konferenzen

Das Semester neigt sich endlich dem Ende zu, mein Heuschnupfen hat sich mittlerweile in der Lunge festgesetzt und ich huste trotz samstäglichem Arztbesuch und Medikamenten vor mich hin. So langsam fange ich an, eher an einen nordkoreanischen resistenten TB-Erreger zu glauben!

Ansonsten habe ich beschlossen, daß zwei Jahre im Exil genug sind und werde mich wieder auf den Arbeitsmarkt werfen. Neben Wonju als solchem war das Mittagessen mit unserem Herrn Dekan vor zwei Wochen mit ein ausschlaggebender Faktor: ich unterhielt mich mit dem ebenfalls eingeladenen Dekanatspersonal auf Koreanisch, woraufhin er mich dann mit "D. 씨" ansprach, was so unangemessen ist, daß ich mich schon wieder aufrege, wenn ich es nur aufschreibe. Was zum Teufel denken sich Koreaner eigentlich, die meine fast gleichaltrige koreanische Kollegin nie und nimmer mit "I. 씨" ansprechen würden? Bei der blöden Langnase ist es egal, weil die es eh nicht rafft? (Für die des Koreanischen nicht mächtigen Leser, diese Anrede hat so den Charme von "Fräulein D.", gebraucht von Firmenbossen für ihre Sekretärinnen.....ca. anno 1952). Thematisch passend ist da auch diese Umfrage hier, auch wenn man sich natürlich über die Aussagekraft der Frage nach unerwünschten Nachbarn als Maß für Rassismus trefflich streiten kann...

Wie dem auch sei, wenn man sich bewirbt, heißt das viel Papierkram und viel Eintragen der gleichen Info in unterschiedlichen Formaten in viele verschiedene Onlinerekrutierungsportale. Man fragt sich manchmal, was eigentlich aus dem guten alten Lebenslauf geworden ist, der genau die gleiche Info enthalten würde. Uni S. hat mich nun zu einem Vortrag eingeladen, wollte aber davor noch viel Papierkram haben, so wie z.B. Nachweise über meine bisherige Beschäftigung sowie meine drei repräsentativsten Forschungsarbeiten der letzten drei Jahre. Den Nachweis über meine letzte Beschäftigung in der großen Stadt hatte ich am 23.2.2012 geholt, am 29.2.2012 schied ich dort aus. Dieser Nachweis ging aber nicht, weil ich eben online angegeben hatte (wahrheitsgemäß auch noch), am 29.2. aufgehört zu haben. Leider verschickt mein Ex-Arbeitgeber aber keine Beschäftigungsnachweise per Fax, so daß ich dann gestern persönlich auf den Campus am Ende der Welt (aka SNU) mußte, um einen neuen Nachweis abzuholen, der auch die letzten 5 Tage meines Arbeitsverhältnisses noch enthielt. Gut, wenn man die relevanten Seouler Buslinien in- und auswendig kennt, das spart viel Zeit bei solchen Missionen! Uni S. wollte dann wie gesagt auch noch die Artikel haben, allerdings nicht nur einmal, sondern fünf (5, ja) mal, davon 4 Kopien in anonymisierter Version mit geschwärztem Namen, allerdings ohne geschwärzte Namen potentieller Koautoren und ohne geschwärzte Affiliations. Wenn man nun die ebenfalls nicht geschwärzten Titel der Artikel googelt, landet man sofort auf der Homepage der jeweiligen Journals und das ganze Geschwärze ist hinfällig, aber nun gut...was tut man nicht alles für einen Job in der großen Stadt! Daneben will Uni S. auch nicht den eigentlich üblichen Vortrag über ein derzeit sowieso in Arbeit befindliches Paper haben, was ja viel Arbeit und Mühe sparen würde, sondern einen Überblick über "mein Forschungsthema" - schade, wenn man nicht nur eines hat, ne. Ich werde mich trotzdem (wenn auch mit Mühe) beherrschen müssen, den Vortrag nicht mit "DB's research: past, present, and future" oder vergleichbar programmatischen Titeln zu benennen!

Uni H. hat gestern noch ein weiteres Highlight gebracht: dort ist ein Job für genau mein Spezialgebiet ausgeschrieben, worauf ich dann anfing, meine Informationen in das nächste unieigene Onlinerekrutierungsportal einzugeben. Auf Schatzis Nachfrage stellte sich dann aber heraus, daß das ein Job nur für Koreaner ist, worauf ich natürlich mit dem Eintragen aufhörte. Gestern im Bus klingelte dann das Handy, und am Apparat war Herr Dekan von der Uni H., der mich gerne für einen Berufungsvortrag einladen wollte (auf Koreanisch). Ich war so leicht verwirrt, weil ich zuerst dachte, ich hätte nicht recht gehört und es sei schon Uni S., und fragte dann sicherheitshalber noch mal nach, ob das nicht der Job für Einheimische war. War es durchaus, Herr Dekan dachte aber, ich habe die koreanische Staatsangehörigkeit, weil ich alles fehlerfrei ins koreanischsprachige Rekrutierungsportal eingegeben hatte, wenn auch nicht vollständig. Schade eigentlich, Uni H. hat nämlich durchaus auch ihren Charme...

Neben all dem Bewerbungswahnsinn fliege ich am Mittwoch noch nach Montréal auf meine persönliche Lieblingskonferenz, wo ich auch noch meinen Lieblingsexkollegen aus Berkeleyer Zeiten treffen werde (Liebling unter anderem deshalb, weil man mit ihm so Dinge bringen konnte, wie auf dem Laptop im Café den Eurovision Song Contest anzugucken und sich für unsere respektiven Herkunftsländer zu schämen). Das Gute an Konferenzen ist ja eigentlich eh nur, daß sie als persönliche commitment devices dienen können, z.B. um endlich dieses Paper mal zu Papier zu bringen, das als Gedanke schon seit zwei Jahren existiert...das Nervige an Konferenzen ist nun, daß diese genau in der vorletzten Semesterwoche stattfindet und meine Noch-Uni diese schwachsinnige Regel hat, daß ausgefallene Vorlesungen nachgeholt werden müssen. Bei unserem lächerlichen Konferenzbudget ist mehr als eine pro Jahr nun eh nicht drin, und man könnte da ja auch mal fünfe grade sein lassen, ne, aber stattdessen werde ich jetzt am nächsten Montag und nach meiner Rückkehr gleich wieder sechs Stunden nonstop studentische Präsentationen anhören "dürfen". Der beste Job der Welt hat halt auch seine Höhen und Tiefen!

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