Sonntag, 28. April 2013

Wenn dir langweilig ist, dann krieg doch ein Kind

Diesen grandiosen Spruch brachte neulich ein Kollege, nachdem ich meinte, daß Wonju ja schon ganz schön öde sei. Sein eigener Nachwuchs sitzt mit seiner Angetrauten in den USA, vermutlich, um dem Kind perfekte Englischkenntnisse fürs Leben mitzugeben, was ja zugegebenermaßen wesentlich wichtiger ist als eine gemeinsam mit beiden Eltern verbrachte Kindheit. Wir komischen Westler sind da echt viel zu unkonsequent in unserer Prioritätensetzung.

Wir versuchen nun, ein Kind zu bekommen. Es klappt nicht, es kann ohne medikamentöse und vielleicht sogar weitergehende (IVF) Unterstützung überhaupt nicht klappen, wie sich letzte Woche herausgestellt hat, und vielleicht wird es auch gar nie klappen. Dafür kann niemand was, auch nicht die Leute, die solche Sprüche bringen und die nicht wissen oder denen es offensichtlich egal ist, daß es nicht für jedes Paar die leichteste und problemloseste Sache der Welt ist, ein Kind zu bekommen. Es fühlt sich nur nicht besonders gut an, wenn man diese Sprüche/Nachfragen/Blicke auf meinen offensichtlich nicht schwangeren Bauch erlebt, und ich bin noch nicht weit genug, um einfach offen zu sagen, wie's aussieht. Vielleicht muß ich das auch nicht, denn wenn man es ganz genau nimmt, geht es auch niemanden etwas an, ähnlich wie meine sexuelle Orientierung beispielsweise. Man stellt sich ja auch im allgemeinen nicht vor mit "Hallo, ich bin Kimchi zum Frühstück, und ich bin heterosexuell." Oder mit "Hallo, ich bin KzF, und ich weiß nicht, ob wir Kinder bekommen können."

Zweifelsohne gibt es auch Vorteile der kinderfreien Lebensgestaltung, zum Beispiel die Tatsache, daß man nicht zur totalverblödeten Vollzeitmuddi aus angeblicher Leidenschaft mutiert. Klingt extrem, sieht man aber leider viel zu oft auch in Deutschland, besonders in der "Du-mußt-ja-mal-nicht-in-die-Krippe"-Perfektionsversion, die außer ihrem Nachwuchs keine anderen Gesprächsthemen mehr findet und insgeheim ganz froh ist, daß sie sich nie wieder mit den Ärgerlichkeiten des bezahlten Erwerbslebens rumschlagen muß, denn sie ist ja jetzt in der heiligen Rolle der Mutter aufgegangen. (Was solche Mütter bei ihren Kindern anrichten, will ich mir lieber nicht so genau vorstellen.) Aber wenn man das kinderfreie Leben nicht bewußt gewählt hat, dann ist das manchmal nur ein recht schwacher Trost.

PS: Ach ja, und Tips zu irgendwelchen geheimnisvollen Wunderkräutern oder Geschichten à la "Ich kenne ja auch ein Paar, das dann irgendwann mal mit allen Behandlungen aufgehört hat und einfach so schwanger geworden ist" müssen auch nicht sein, danke.

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