Donnerstag, 11. April 2013

Panikmache für alle

Oder: Warum ich immer noch in Wonju bin und auch nicht gedenke, es zu verlassen.
Zur Zeit macht die nördliche Hälfte der koreanischen Halbinsel ja mal wieder Schlagzeilen mit ihren unregelmäßigen, hitzewallungsartigen und unvorhersehbaren Kriegsdrohungen gegen den Süden und den Rest der Welt. In den drei Jahren, die ich nun hier bin, kam das eigentlich ziemlich permanent vor. Kurz nach meiner Ankunft wurde ein Kriegsschiff der Navy versenkt, es gab Angriffe auf eine grenznahe Insel mit mehreren (zivilen) Toten und natürlich auch die permanenten verbalen Attacken. 

So what.

Als Spieltheorie-Fan denke ich mir, okay, das Dicke Kind hat zwei Optionen: Krieg oder Frieden. Für die zweitere sieht sein Payoff wie folgt aus: er kann weiterhin abgehalfterte ehemalige Basketballspieler oder Firmenbosse einladen, mit seiner Chica in den Vergnügungspark gehen und jeden Abend Pizza essen oder wonach auch immer ihm der Sinn so steht (Papi stand ja offensichtlich eher auf Sushi). 
Für die erstere sieht sein Payoff wie folgt aus: China wird wohl kaum so blöde sein, ihn militärisch zu unterstützen, was einen Krieg der Sorte Dickes Kind und seine wahrscheinlich nicht besonders hochtechnologisierte Armee gegen die Amis und den Süden bedeuten würde. Ich weiß, auf wen ich da setzen würde, und ich denke mal, das Dicke Kind weiß das auch.

Und was ich nie verstehen werde: Warum machen diese Drohgebärden, denen sowieso keine Taten folgen werden, eigentlich unausweichlich Schlagzeilen auf der ganzen Welt, vor allem offensichtlich in Deutschland? Dauersauregurkenzeit, egal zu welcher Jahreszeit? Der Reiz des ganz, ganz Bösen? Kriegsgeilheit, weil ja schon so lang nix mehr war? Ich werde es nie verstehen.

Ach ja, und die Deutsche Botschaft Seoul drückt das wie erwartet etwas gemäßigter wie folgt aus:

"Wie die Medien berichten, hat das nordkoreanische „Asia-Pacific Peace Committee“ am 09. April den in Südkorea lebenden Ausländern empfohlen, „Schutzräume aufzusuchen oder andere Evakakuierungspläne zu schmieden“. Diese Empfehlung wird nicht mit eigenen Kriegsvorbereitungen seitens des Nordens begründet, sondern mit angeblich geplanten militärischen Aktionen seitens der USA und Südkoreas, auf die reagiert werden würde. Auch vor diesem Hintergrund ist der Aufruf als ein weiterer Baustein in der bekannten rhetorischen Eskalation durch Nordkorea zu werten.

Die bisherige Einschätzung der Sicherheitslage bleibt weiterhin gültig (siehe Absatz 3). Daran ändert auch die heutige Anhebung der Alarmbereitschaft der südkoreanischen und hier stationierten US-Streitkräfte nichts. Diese ist auch in der Vergangenheit immer dann erfolgt, wenn Nordkorea Maßnahmen wie Raketen- oder Atomtests angekündigt hatte.

Bereits in den vergangenen Jahren gab es Drohgesten aus Pjöngjang, insbesondere im zeitlichen Zusammenhang mit den jährlich im Frühjahr stattfindenden gemeinsamen Übungen der Streitkräfte Südkoreas und der USA. Die gegenwärtigen Drohungen sind wesentlich schärfer als früher, bleiben aber unterhalb einer militärischen Eskalationsebene beschränkt. Gleichwohl können weitere Provokationen Nordkoreas, ggfs. auch militärischer Natur oder ein weiterer Raketentest, nicht ausgeschlossen werden. Eine konkrete Gefährdung deutscher Staatsangehöriger wird jedoch weiterhin nicht gesehen."

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