Freitag, 5. April 2013

Der Frust des Koreanischlerners in der Provinz

Wer dieses Blog regelmäßig liest, hat sicher schon festgestellt, daß in letzter Zeit sehr wenige inhaltliche (man könnte auch sagen textlastige) und sehr viele bilderlastige Posts hier erscheinen. Es wird Zeit, das wieder zu ändern, also gibt es heute einen Blogpost zum Thema Fünftspracherwerb von mittelalten Erwachsenen bzw. einfach ausgedrückt zum Zustand meiner Koreanischkenntnisse! 

Laut meinem Abschlußzeugnis der Y-Sprachschule, jaja, irgendwie bin ich ja auch eine Alumna meines derzeitigen Arbeitgebers, bin ich fließend und eloquent in allen Lebenslagen und laut der Meinung des Mannes auf der Straße (Frauen labern einen zu diesem Thema nur selten an) spreche ich ein unglaubliches tolles Koreanisch. Wie so oft im Leben ist auch das wieder eine Frage des persönlichen Referenzpunktes. Wenn man den Durchschnitt der koreanischen Sprachkenntnisse der Langnasen im Lande zugrunde legt, dann ist mein Koreanisch wahrscheinlich echt nicht so schlecht. Wenn man meinen persönlichen Referenzpunkt (beispielsweise meine langsam verstaubenden Französischkenntnisse) zugrunde legt, dann ist mein Koreanisch ziemlich unterirdisch, vor allem angesichts der Tatsache, daß ich jetzt schon seit mehr als drei Jahren hier lebe. Wahrscheinlich bin ich unfair zu mir selbst, denn Koreanisch fällt der durchschnittlichen deutschen Langnase mit humanistischer Vorbildung sicher schwerer als Französisch oder Spanisch, und im Vergleich zu vor drei Jahren sind meine Kenntnisse natürlich rapide angestiegen, aber ich kann's nun man nicht ändern.

Das tägliche Zusammenleben mit einem echten Muttersprachler, auch wenn derselbe offensichtlich eher südchinesisch aussieht und gerne mal gefragt wird, ob er denn auch der Landessprache mächtig sei, hat meine eigenen Sprachkenntnisse nun in viele mehr oder minder sinnvolle Richtungen erweitert (z.B. weiß ich jetzt, welches onomatopoietische Geräusch koreanische Pupse machen). Die Grammatik- und Wortschatzkenntnis im Bereich der formaleren Sprache, die ich im August 2011 bei meinem Abschluß hatte, hat in den letzten anderthalb Jahren aber eher rapide nachgelassen. Das führt dann bei mir zur immergleichen Reaktion: ich will wieder einen Sprachkurs machen, denn ich bin ein faules Schwein und lerne nur, wenn ich den Anreiz habe, daß ich mich vor den anderen Mitschülern nicht blamieren will. Traurig aber wahr, das mit dem eigenverantwortlichen Selbstlernen klappt bei mir leider nur sehr wenig. Nachdem ich mich nun dieses Semester dazu aufgerafft hatte, doch den TOPIK-Vorbereitungskurs an unserer Uni zu machen, wurde derselbige prompt abgeschafft. Offensichtlich haben die Wonjuer Langnasen und Importehefrauen überhaupt kein Interesse am koreanischen Spracherwerb. In Seoul, wo ja eh alles besser ist, gibt es natürlich genügend Sprachschulen aller Arten. In Wonju gibt es offensichtlich keine einzige. Aber da ich ja mittlerweile erwachsen bin und vielleicht auch in den Augen meiner Schwester mittlerweile einen "richtigen Job" habe, habe ich mich jetzt dazu durchgerungen, mal Privatunterricht zu probieren. Das Hörverständnis trainiere ich durch den regelmäßigen Konsum von psychologischen Beratungssendungen für Ehepaare auf EBS (달라졌어요, sehr zu empfehlen, da fast alles konsequent untertitelt wird und der unfreiwillige Unterhaltungswert oft auch recht hoch ist). Dramas kann ich irgendwie keine mehr sehen, es gibt viele Gründe dafür, irgendwann mal schreibe ich wahrscheinlich einen Extrapost darüber und über die Rollenbilder, die dieses wunderbare Genre so konsequent weiterbefördert. Mal gucken, wie sich das mit dem Privatunterricht so entwickelt. Und falls Ihr Tips zum Lernen habt - laßt sie hören!

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